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Justus Frantz setzt mit Musikauswahl Zeichen für Frieden

Der erste Konzertabend des Klassik-Festivals am Schloss Raesfeld bot ruhige Töne und Kanonenhall.

Die kritische Äußerung des international renommierten Musikers nahmen die Zuhörer wörtlich – ob es nun der köstlich ausbalancierte Auftakt aus der „Symphonie Nr. 103 Es-Dur, Paukenwirbel" von Joseph Haydn war oder der eher besonnene zweite Abschnitt mit seinen lieblichen Melodiebögen – die Besucher applaudierten jetzt nach jedem Satz. Das wiederum wurde selbst Justus Frantz zu viel. Leicht genervt gab er den Klassikfans ein Handzeichen, dass sie nicht jeden Abschnitt der „Paukenwirbel-Symphonie" beklatschen mögen.

Ludwig van Beethovens „Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria" und die „Ouvertüre 1812 op.49'16" (Peter Tschaikowski), die nach der Pause folgten, sind handfeste musikalische „Schlachtengemälde". Frantz hat die beiden Werke, wie er sagte, gezielt ausgesucht, um mit der Musik ein klares Signal des Friedens und der Entspannung in einer angespannten Gegenwart zu setzen. Zu diesem Zwecke gesellten sich auch Bläser des Kreisorchesters Borken unter die Musiker und stellten eindrucksvoll bei Beethovens Klangschlacht die verfeindeten englischen und französischen Truppen dar, was die begeisterten Zuhörer mit einem Sonderapplaus quittierten. Ähnlich wie hier endete auch die spannungsreiche „Ouvertüre 1812" mit einem Happyend und der Einstellung der kriegerischen Zerstörungswut. Als bei letzterer dumpfe Böllerschüsse aus den Lautsprechern ertönten, mischte sich auch noch die Natur in das aufgeladene Treiben: Der starke Wind, der auf dem Innenhof herrschte, blies so heftig in die aufgestellten Mikrofone, dass es laut dröhnte.

Zum achten Mal gastierte die „musik:landschaft westfalen" auf Schloss Raesfeld und hat ihre Veranstaltungen das Motto „So klingt der Sommer" gegeben. Von warmen oder gar mediterranen Temperaturen war indes auf dem Innenhof nichts zu spüren – viele Besucher hatten sich bereits herbstlich gekleidet oder ihre Jackenkragen hochgezogen. Sommerlich erwärmend war da allein die Modeauswahl von Justus Frantz: Stilvoll in einem schwarzen Frack gekleidet, trug er dazu schwarze sportliche Schuhe, leuchtende, orangefarbene Socken und eine moderne Brille mit rotem Gestell.

Des Meisters' Outfit übertraf nur noch das fulminante Feuerwerk, das zum Finale über dem Schlossteich entzündet wurde. Es war zugleich die musikalische Zugabe und ein wunderbares, festliches Zeichen des Friedens.

Edgar Rabe ©http://www.borkenerzeitung.de/lokales/raesfeld_artikel,-Justus-Frantz-setzt-mit-Musikauswahl-Zeichen-fuer-Frieden-_arid,629154.html